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Texto

29. Mai 1992 / Nummer 22

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L'OSSERVATORE ROMANO Wochenausgabe in deutscher Sprache Città del Vaticano

Dokumente

Die irdischen Pflichten im Geiste

des Evangeliums erfüllen

Ansprache von Johannes Paul II. an die Pilger bei der Sonderaudienz anläßlich

der Seligsprechung von Josemarla Escrivá de Balaguer am 18. Mai

1. Herzlich danke ich für die kindliche Verbundenheit, die Msgr. Alvaro del Portillo im Namen aller, die den Petersplatz füllen, und der zahlreichen Gläubigen, die Mitarbeiter und Freunde des Opus Dei sind, mir gegenüber ausgesprochen hat. Ihm gilt mein besonders herzlicher Gruß, den ich zugleich auf die übrigen Mitglieder des Episkopates und auf alle Anwesenden ausdehne.

Ihr seid voll Freude über die Seligsprechung von Josemarla Escrivá de Balaguer, weil ihr überzeugt seid, daß seine Erhebung zur Ehre der Altäre, wie es der Prälat des Opus Dei eben ausgesprochen hat, der Kirche viel Gutes bringt Auch iah teile diese Auffassung von der Überzeugung her, die ich im Apostolischen Schreiben Chrístífideles laici ausgesprochen habe: »Das gesamte Volk Gottes und vor allem die Laien können nun auf neue Vorbilder der Heiligkeit, die in gewöhnlichen und alltäglichen Situationen menschlicher Existenz gelebt haben, auf neue Zeugnisse heroischer Tugenden schauen« (17). Wie sollten wir nicht in Beispiel und Lehre des seligen Josemarfa Escrivá ein hervorragendes Zeugnis des christlichen Heroismus bei der Ausübung der gewöhnlichen menschlichen Tätigkeiten _ erblicken?

Die universale Berufung zur Heiligkeit und zum Apostolat ist, wie ihr gut wißt, einer der Punkte, die das Lehramt des II. Vatikanischen Konzils besonders betont hat (vgl. Lumen gentium, 40-42; Apostollcam actuositatem, 1-4). Wie schon andere vor ihm, so hat der selige Josemarfa dank des Lichtes Gottes diese universale.Berufung nicht nur als eine Lehre betrachtet, die es vorzutragen und, zumal unter den gläubigen Laien, zu verbreiten gilt, sondern auch und vor allem als Kern des aktiven Einsatzes im pastoralen Wirken.

Der junge Priester Josemarla Escrivá hatte in hochherziger Antwort auf die göttliche Gn4de auf einem mit Schwierigkeiten übersäten Gebiet zu arbeiten. Seine 1eue gestattete dem Geist, ihp zum Gipfel der persönlichen Vereinigung mit Gótt und als Folge davon zu einer außergewöhnlichen apostolischen Fruchtbarkeit zu führen. Der Herr gewährte ihm nämlich die Freude, daß er schon während seines Erdenlebens die tröstlichen Früchte seines Apostolates betrachten konnte, die

Josemarfa freilich ausschließlich der göttlichen Güte zuschrieb, um sich selber immer als »untaugliches und taubes Werkzeug« zu betrachten und damit eine außergewöhnliche Demut zu beweisen, so daß er sich am Ende seines Lebens »wie ein stammelndes Kind« betrachtete.

In spanischer Sprache fuhr der Papstfort:

2. Die Seligsprechung von Josemaría Escrivá de Balaguer bietet mir Gelegenheit zu dieser schönen Begegnung mit euch allen, liebe Priester und Laien, die ihr in großer Zahl nach Rom gepilgert seid, um an dieser starken Äußerung des Glaubens und der kirchlichen Gemeinschaft teilzunehmen.

Vor allem möchte ich einen ergebenen Gruß an die geehrten Obrigkeiten und Persönlichkeiten zahlreicher Länder Lateinamerikas und Spaniens richten, die an diesem so feierlichen Akt teilnehmen wollten.

Die Gestalt eines Seligen stellt einen neuen Aufruf zur Heiligkeit dar, die nicht wie ein Privileg nur wenigen vorbehalten ist, sondern das gemeinsame Anliegen aller-- Christen sein muß. Tatsächlich empfangen wir in der Taufe, durch die wir Kinder Gottes werden, als Gnade dieses Samenkorn der Heiligkeit, das mit Hilfe der übrigen Sakramente und Frömmigkeitsübungen wächst und zur Reife kommt und sich dann in den Früchten und im Zeugnis des Lebens zeigen muß, die der Geist in denen fördert, die sie lieben. So vermögen wir jene Fülle zu erreichen, von der der Apostel Paulus spricht »Das ist es, was Gott will: eure Heili gung« (1 Thess 4,3).

Diese Berufung zur Heiligkeit wurde vom seligen Josemarla gelehrt und oft und oft wiederholt. Unter euch hier befinden sich zahlreiche Personen, die bei mehr als einer Gelegenheit von seinen eigenen Lippen diese F~rmahnúng des heiligen Paulus vernommen haben; andere haben sie durch seine Schriften oder von direkten Zeugen vernommen. Nun aber kann jeder einzelne, mitten in den konkretenTätigkeiten seines Lebens und seines Benzfes, mit der Hilfe des Heiligen Geistes rechnen, um diesen Weg zur christlichen Vollkommenheit zu beschreiten. So sagt uns auch der Selige selber in ei-

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